Vom Bestand zur eigenen Identität
Unser Planungsprozess am Beispiel:
Austria Gourmet & Wine Hotel, Obergurgl
01
Jedes Projekt braucht eine eigene Identität
Jedes Projekt bei R-STRASSER folgt demselben Grundsatz: bestehende Substanz verstehen, aber nicht wiederholen – und daraus eine eigenständige Identität entwickeln. Wie das konkret aussieht, zeigen wir hier am Beispiel des Austria Gourmet & Wine Hotels in Obergurgl.
Das Austria Gourmet & Wine Hotel in Obergurgl blickt auf eine lange Geschichte zurück. Die Bereiche Eingang, Lounge, Bar und Restaurant waren über viele Jahre gewachsen und sollten nach rund 30 Jahren nicht einfach renoviert, sondern grundlegend neu gedacht werden.
Die Aufgabenstellung des Bauherrn war klar: Die bestehenden Räume sollten eine neue architektonische Identität erhalten, die Raumstruktur für Gäste und Service deutlich verbessert und gleichzeitig ein Ambiente geschaffen werden, das sich bewusst von der klassischen alpinen Hotelarchitektur abgrenzt.
Für uns war damit von Beginn an klar, dass es nicht darum gehen konnte, bestehende Bilder zu wiederholen.
Jedes Projekt braucht seinen eigenen architektonischen Ansatz. Eine Lösung, die an einem Ort funktioniert, kann nicht einfach auf den nächsten übertragen werden.
Beim Austria sollte deshalb keine weitere Interpretation des klassischen Altholz-Chalets entstehen. Gesucht war eine eigenständige, zeitgemäße Innenarchitektur mit hohem Wiedererkennungswert.
02
Raum als Zusammenspiel denken
Im Zentrum der Planung stand nicht nur die Gestaltung der einzelnen Räume, sondern vor allem deren Zusammenspiel.
Eingang, Lounge, Bar und das Michelin-Stern-Restaurant sollten stärker miteinander verbunden werden und dennoch ihren jeweils eigenen Charakter behalten.
Dabei betrachten wir Hospitality-Projekte grundsätzlich aus zwei Perspektiven: Wie erlebt und bewegt sich der Gast durch den Raum? Und wie funktionieren gleichzeitig die Abläufe des Servicepersonals?
Gerade in Bar- und Restaurantbereichen müssen sich diese beiden Anforderungen selbstverständlich miteinander verbinden. Sichtachsen, Wege, Übergänge, Funktionsbereiche sowie Bar und Bar-Backoffice wurden deshalb vollständig neu organisiert.
Gute Innenarchitektur zeigt sich für uns nicht nur in ihrer ästhetischen Wirkung. Sie muss im täglichen Betrieb ebenso selbstverständlich funktionieren.
03
Planung schafft Spielraum in der Umsetzung
Der eigentlichen Bauphase ging rund ein Jahr intensive Planung voraus. Für den kompletten Umbau standen anschließend lediglich drei Monate zur Verfügung.
Die bestehenden Räume wurden bis auf die Rohbaustruktur entkernt. Elektro- und Sanitärinstallationen wurden vollständig erneuert, Bar und Backoffice neu aufgebaut und der gesamte Innenausbau neu ausgeführt.
Gerade beim Umbau bestehender Gebäude zeigt sich jedoch immer wieder, dass nicht alles sichtbar und damit planbar ist. Auch beim Austria kamen während der Entkernung einige unerwartete konstruktive Situationen zum Vorschein. Besonders die bestehende Statik musste teilweise neu in die veränderte Raumstruktur integriert werden.
Unter dem engen Zeitplan bedeutete das, Situationen kurzfristig zu analysieren, Lösungen zu entwickeln und Entscheidungen gemeinsam mit den ausführenden Unternehmen direkt umzusetzen – ohne dabei die übergeordnete architektonische Idee aus den Augen zu verlieren.
Interessanterweise entstanden gerade aus einigen dieser Herausforderungen Lösungen, die das spätere Ergebnis sogar verbessert haben. Ein Bestand ist nicht nur eine Einschränkung. Manchmal zwingt er einen dazu, eine bessere Lösung zu finden.
Viele dieser Lösungen entstanden im direkten Austausch mit dem Bauherrn und den ausführenden Unternehmen – ein Zusammenspiel, das gerade unter dem engen Zeitplan entscheidend für die Qualität des Ergebnisses war.
04
Materialität und Licht als Einheit
Auch bei der Materialwahl wollten wir bewusst einen eigenständigen Weg gehen. Anstelle einer klassischen alpinen Materialsprache entstand ein reduziertes Zusammenspiel aus dreidimensionalen Spachteltechniken, geöltem Eichenholz, Naturstein, präzisen Schattenfugen und sorgfältig entwickelten Details.
Dabei wurde kein Material isoliert betrachtet. Entscheidend ist für uns immer das Zusammenspiel von Material, Proportion, Oberfläche und Licht.
Gerade die plastischen Wandoberflächen verändern ihren Ausdruck über den Tagesverlauf. Am Abend erzeugt gezieltes Streiflicht Tiefe und lässt Strukturen sichtbar werden, die bei Tageslicht sehr zurückhaltend erscheinen.
Deshalb verstehen wir Lichtplanung nicht als nachträgliche Auswahl von Leuchten. Licht ist Teil der Architektur. Es beeinflusst die Wahrnehmung von Materialien, verändert Proportionen und bestimmt maßgeblich die Atmosphäre eines Raumes.


05
Qualität zeigt sich im Detail
Viele der aufwendigsten Entscheidungen eines Projekts nimmt der spätere Gast nicht bewusst wahr. Schattenfugen, Materialübergänge, Anschlüsse, Möbeldetails oder die Integration technischer Komponenten treten visuell zurück. Und genau das ist beabsichtigt.
Für uns entsteht Qualität häufig dort, wo Gestaltung nicht demonstrativ in den Vordergrund tritt, sondern selbstverständlich wirkt. Je einfacher ein fertiges Detail erscheint, desto mehr Planung kann dahinterstehen.


06
Von der Idee bis zur Fertigstellung begleiten
R-STRASSER Interior Architects begleitete das Projekt durchgehend von der ersten architektonischen Idee bis zur Fertigstellung.
Unsere Leistungen umfassten: Innenarchitektur und Entwurf, künstlerische Oberleitung, Lichtplanung, Detailplanung, Ausschreibung, Kostenkontrolle und Abrechnung.
Diese kontinuierliche Begleitung ist für uns wesentlich, weil die Qualität eines Entwurfs letztlich davon abhängt, wie konsequent er bis in die Umsetzung verfolgt wird.
07
Das Ergebnis: eine eigene Identität
Nach einem Jahr Planung und drei intensiven Monaten Bauzeit entstand eine neue Raumlandschaft für das Austria Gourmet & Wine Hotel.
Die Bar bildet heute das kommunikative Zentrum. Die offenen Lounge-Bereiche schaffen Orte für Begegnung und Rückzug, während das Fine-Dining-Restaurant eine ruhigere und präzise abgestimmte Atmosphäre für das kulinarische Erlebnis bietet.
Entscheidend ist für uns jedoch nicht ein einzelnes Möbel, Material oder Detail. Es ist die Gesamtwirkung.
Das Austria sollte keinen Raum bekommen, der genauso gut in einem anderen Hotel stehen könnte. Es sollte wie das Austria aussehen.
Denn genau darin sehen wir eine der wesentlichen Aufgaben unserer Arbeit: Räume nicht zu vervielfältigen, sondern für jeden Bauherrn, jeden Ort und jede Aufgabe eine eigene architektonische Identität zu entwickeln.
So – oder in seiner eigenen Variante für jeden Ort und jeden Bauherrn – sieht unser Weg von der ersten Idee bis zur fertigen Identität aus.
Projektdaten
Projekt: Austria Gourmet & Wine Hotel
Ort: Obergurgl, Tirol
Typologie: Hospitality / Hotel / Gastronomie
Planungsvorlauf: ca. 1 Jahr
Umbauzeit: 3 Monate
Leistungen: Innenarchitektur, künstlerische Oberleitung, Lichtplanung, Detailplanung, Ausschreibung, Kostenkontrolle, Abrechnung















